Viele Menschen sind ja noch immer Gegner von eBook Readern, denn sie mögen es, ein gedrucktes Buch in den Händen zu halten, seine Seiten umzublättern und es ins Regal zu stellen. Ich selbst denke, dass eBook Reader technische Innovationen sind, die einfach praktisch sind – so auch der Kindle der 4. Generation oder einfach nur Kindle, wie er auf Amazon.de genannt wird. Der Testbericht zu diesem Modell macht den Anfang auf meiner eBook Reader Test Website.

Gewicht und Größe

Kindle liegt auf iPad der 3.GenerationDer allgemeine Anspruch an einen eBook Reader ist, dass er angemessen klein und besonders leicht ist. Mit einer Größe in Taschenformat und gerade einmal 170 Gramm ist der Kindle ein optimaler Begleiter. Da ich oft beruflich und privat unterwegs bin, schätze ich diese Eigenschaften des Readers sehr. Zum Vergleich: Beim Lesen auf dem iPad (662 Gramm) spürt man das Gewicht bereits nach ca. 30 Minuten im Handgelenk. Der wesentlich leichtere Kindle verursacht hingegen keine Beschwerden, denn er wiegt weniger als ein Taschenbuch. Ich persönlich lese gern Romane, richtig dicke Wälzer. Daher empfinde ich das „einseitige“ Format des Kindle als eine große Bereicherung. Endlich fällt mir beim Lesen am Abend im Bett nicht mehr das Buch vor Erschöpfung aus der Hand und ich kann so, ganz wie ich es mag, bis spät in die Nacht hinein lesen.

Gehäuse

Während der Kindle 2 noch über eine Rückwand aus Metall verfügte, besteht die des Kindle 4 aus Plastik. Das scheint im ersten Moment ein Nachteil zu sein. Wer jedoch den Kindle 2 jemals im Winter im Freien, beispielsweise beim Warten auf den Bus, genutzt hat, weiß das neue Plastik-Gehäuse zu schätzen. Es speichert keine Kälte und liegt rutschfest in der Hand.
Der neue Kindle hat einen Micro-USB-Anschluss sowie einen Knopf zum Ein- und Ausschalten. Die Unterseite ist zudem leicht schräg, so dass der Knopf nicht stört und man ihn auch nicht versehentlich betätigt. Abgesehen davon hat Amazon den neuen Kindle wie beworben auf das absolut Notwendige reduziert. Er ist bei gleicher Displaygröße deutlich kleiner und leichter als sein Vorgänger. Alle Kindle werden über den (identischen) Micro-USB-Anschluss geladen.

Display und Darstellung

Kindle 4 liegt neben dem iPad der 3. GenerationDer Kindle der 4. Generation verfügt über ein 6″ 600×800 Pixel E-Ink-Display. Dieses bietet eine blickwinkelunabhängige Darstellung, einen sehr guten Kontrast und eine einwandfreie Lesbarkeit bei Sonnenlicht.

Der Nutzer kann zwischen verschiedenen Leseoptionen wählen: Es besteht die Möglichkeit, acht Schriftgrößen, drei Schriftarten sowie drei verschiedene Zeilenabständen einzustellen. Außerdem bietet der Kindle drei Einstellungen für die Anzahl der Wörter pro Zeile. Die Textformatierung ist wie bei den Modellen der älteren Generationen manuell wählbar. Unter Anleitungen finden Sie eine genaue Beschreibung.
Amazon wirbt damit, dass beim neuen Kindle ein noch schnelleres „Blättern“ bzw. schnellere Umschaltzeiten realisiert wurden. Das konnte ich bei meinem Test nicht feststellen. Der neue Kindle blättert anders um als die älteren Modelle, jedoch sind die Umschaltzeiten nicht schneller. Beim Umblättern flackert das Display kurz. Es scheint, als werde die Seite einmal gelöscht und anschließend neu aufgebaut. In den ersten Stunden hat mich dieser Effekt beim Blättern sehr gestört. Nach kurzer Zeit habe ich ihn schon nicht mehr wahrgenommen. Hätte ich keine Notiz in Hinblick auf meinen eBook Reader Test gemacht, hätte ich diesen Punkt wahrscheinlich vergessen.

Speicher

Der neue Kindle hat eine Speicherkapazität von 1,4GB. Im Gegensatz zu den alten Kindle-Modellen können auf dem Kindle der 4. Generation keine Hörbücher mehr abgespielt werden. Daher ist der Speicher, der Platz für bis zu 1.400 Bücher bietet, absolut ausreichend. Ich habe derzeit 116 Bücher auf meinem Kindle und noch 1,05GB frei. Ich nutze den Kindle als eBook Reader und nicht als meine persönliche Nationalbibliothek. Wenn ich ein Buch gelesen habe, wird es von dem Gerät gelöscht. Meine Notizen, Markierungen und Lesezeichen sind bei Amazon gut aufgehoben. Wenn ich das Buch dann doch wieder lesen oder etwas nachschlagen möchte, lade ich es einfach erneut kostenlos von Amazon herunter.

Konnektivität

Der Empfang über das Handynetz („3G“ bzw. „UMTS“) ist als Option nur beim Kindle Keyboard möglich. Das Einrichten des WLAN ist ohne Tastatur etwas fummelig und bei einem langen WPA Key macht ein Vertipper wirklich keinen Spaß. Nach zwei Versuchen konnte ich mich in meinem WLAN anmelden und hatte nie mehr etwas damit am Hut. Wenn ich den Kindle starte, bucht er sich im WLAN ein. Ich kann dann im Amazon Store Bücher kaufen oder meine Lesestände mit Amazon synchronisieren. Das fehlende UMTS Netz sehe ich nicht als Problem an. Mit etwas Planung sollte der Speicherplatz für über Tausend Büchern selbst für eine Weltumseglung reichen.

Inhalte

Kindle der 4. Generation liegt auf dem TischEin eBook Reader ohne Inhalte – sprich Bücher – ist nicht mehr als das teuerste Stück Plastik im Haus. Das Übertragen von Büchern auf den Kindle ist kinderleicht. Nach dem Kauf auf Amazon.de wird das Buch automatisch auf den Kindle kopiert und steht nach wenigen Sekunden zum Lesen bereit. Inhalte, welche nicht auf Amazon gekauft wurden, können einfach per USB auf den Kindle kopiert werden. Dabei verhält er sich wie ein USB-Stick – per Drag and Drop können die Dateien kopiert werden. In diesem Modus unterstützt der Kindle die Dateiformate txt, pdf, mobi und prc.
Zudem ist es möglich, mehrere Kindle für einen Account zu registrieren. Falls beispielsweise die Tochter ebenfalls einen Kindle besitzt und beide Geräte für den gleichen Account registriert sind, können alle gekauften Bücher problemlos und absolut legal auf beide Kindle heruntergeladen und auf beiden gelesen werden. Der Nachteil ist allerdings, dass die Lesestände auf den Geräten angeglichen werden. Für diesen Fall empfehle ich, die Synchronisierung der Lesestände zu deaktivieren.

Sprachen

Der Kindle unterstützt insgesamt sechs Sprachen (Deutsch, Englisch – UK und US –, Französisch, Spanisch, Italienisch und Portugiesisch). Für jede dieser Sprachen wird automatisch das jeweilige Wörterbuch kostenlos heruntergeladen und kann verwendet werden. So liegt beispielsweise der „Duden“, das „Oxford Dictionary of English“ oder „The New Oxford American Dictionary“ auf dem Gerät. Es ist bei allen Kindle Versionen möglich, an Stelle des Standard-Wörterbuchs ein alternatives Wörterbuch zu installieren. Ich habe z. B. bei Amazon ein Englisch-Deutsch Wörterbuch gekauft und dieses als Standard für englische Bücher in meinem Kindle hinterlegen. Statt der englischen Definition wird dann bei einem englischen Buch die deutsche Übersetzung angezeigt.
Ein besonderer Vorteil: Durch die kostenlosen Wörterbücher haben sich meine Englisch-Kenntnisse vervielfacht. Seitdem ich den Kindle besitze, kann ich englische Bücher lesen, ohne parallel in einem Wörterbuch zu blättern. Das motiviert natürlich, immer neue Bücher in englischer Sprache zu lesen und nicht aus Bequemlichkeit auf deutsche Bücher zurückzugreifen. Ein einfaches Bewegen des Cursors vor das unbekannte Wort reicht aus, um sich die ersten paar Zeilen einer Definition anzeigen zu lassen. Sollte sich der Sinn des Worts daraus nicht erschließen, kann mit einem Tastendruck die komplette Definition durchgelesen werden. Mehr hierzu unter Anleitungen.

Bedienung

Amazon Video vom KindleDer Kindle 4 hat eine „virtuelle“ Tastatur. Jeder, der einmal versucht hat mit einem XBox-Controller oder der Fernbedienung seines Fernsehers einen Text einzugeben, weiß, wovon ich spreche. Man muss mit Richtungstasten den korrekten Buchstaben (Zahl/Sonderzeichen) auswählen und dann bestätigen. Der neue Kindle hat nur noch diese Art von Tastatur im Gegensatz zu der Vorgängergeneration. Durch das Fehlen einer richtigen Tastatur ist der Kindle extrem klein. Jedoch finde ich persönlich eine Tastatur sehr angenehm und würde den größeren Kindle Keyboard dem neuen Kindle vorziehen. Wenn ich ein Buch lese, dann mache ich mir sehr gerne kleine Notizen. Das ist mit der virtuellen Tastatur der absolute Horror, denn nach zwei Wörtern und doppelt so vielen Tippfehlern ist der Blutdruck schon im kritischen Bereich.
Das Suchen im Text (einer der größten Vorteile von eBooks) ist mit der virtuellen Tastatur jedoch kein Problem. Bei dieser Art von Suche wird meistens nur ein Wort oder Name eingegeben. Der Kindle zeigt dann eine Ergebnisliste zum Auswählen an.

Fazit

Bei meinem eBook Reader Test habe ich festgestellt, dass das Lesen auf dem Kindle großen Spaß macht. Die Größe des Displays ist mehr als ausreichend. Die Darstellung der Schrift ist auf Papierniveau und bietet die beste E-Ink Darstellung, die ich je gesehen habe. Selbst mit der Sonne im Rücken ist ein angenehmes Lesen möglich. Wer noch keinen eBook Reader hat, wird das Lesen von Büchern neu entdecken. Die Kindle-Modelle sind die besten eBook Reader auf dem Markt. Wer mit einem Aufpreis von 30€ und einem Zusatzgewicht von 40 Gramm leben kann, sollte zum Kindle Paperwhite greifen. Ansonsten ist der Kindle der 4. Generation ein großartiger eBook Reader.

Somit ist auch schon mein erster eBook Reader Test abgeschlossen. Ich freue mich bereits auf den nächsten eBook Reader Test, den ich zum Kindle Keyboard verfassen werde.

Zu kaufen gibt es den Kindle 4 hier bei Amazon.de