Tänzerin aus der iPod Werbung ist mit dem iPod-Kabel gefesselt

Das Thema “Urheberrecht” ist nicht erst seit der Piratenpartei aktuell. Schon die guten alten Medien CD, DVD und Blu-Ray waren mit dem Kopierschutz DRM (“Digital Rights Management”) ausgestattet. In der Musik- und Filmindustrie war das aber kein wahrer Schutz, denn viele nutzten Programme, um den Kopierschutz zu knacken und Daten verbreiteten sich rasend schnell im Internet. Die Folge: Die Verbraucher lehnten es ab, Waren mit Kopierschutz zu kaufen. Stattdessen wurden die Medien über andere “Anbieter”, meist illegale Download-Portale, konsumiert.

eBooks sind in der Regel ebenfalls mit dem Kopierschutz DRM ausgestattet. Vielleicht um dem eBook das Schicksal der CD, DVD und Blu-Ray zu ersparen, ist der weltweit größte Science-Fiction-Verlag Tor in diesem Jahr dazu übergegangen, seine eBooks nur noch ohne DRM zu verkaufen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass andere Verlage bald nachziehen. Grund genug, um auf meinem eBook Reader Test Blog einen Artikel über Kopierschutz bei eBooks zu schreiben.

DRM in Kürze

Beim DRM handelt es sich um eine digitale Rechteverwaltung, die sicherstellt, dass lediglich Lizenzen an Daten erworben werden und nicht die Daten selbst. Der Käufer hat somit ein eingeschränktes Nutzungsrecht und wird an dem Weiterverkauf und Kopieren der Daten gehindert.

Das bedeutet:

  • Der Rechteinhaber kann bestimmen wie oft ein eBook nach dem Kauf heruntergeladen werden darf. Bei Amazon beispielsweise darf jedes eBook beliebig oft heruntergeladen werden.
  • Nicht jedes eBook kann mit jedem eBook Reader gelesen werden.
  • Nicht jedes eBook kann auf jedem Betriebssystem gelesen werden.
  • Das Kopieren von Text durch Copy & Paste ist nur begrenzt möglich oder komplett verboten.
  • Das Ausdrucken von Seiten ist nur begrenzt möglich oder komplett verboten.
  • striktes DRM: Es besteht die Möglichkeit, dass das DRM eines eBooks sich mit dem Server des Verkäufers verbindet (z. B. Online-Shop). Dieser kann das eBook bei Missbrauch vom Gerät des Kunden löschen. Ein eBook kann so nicht weitergegeben werden.
  • abgemildertes DRM: Es gibt eBooks, die mit einem digitalen Wasserzeichen ausgestattet sind. Dabei wird z. B. die Signatur des Käufers unsichtbar in das Buch integriert. Das Buch kann so verliehen und verkauft werden, ist aber immer zum ursprünglichen Besitzer zurückverfolgbar. Das soll den Besitzer davon abhalten, das eBook weiter zu verkaufen.

Amazon & DRM

Amazon nutzt ein eigenes DRM. Der jeweilige Verlag oder der Autor entscheidet darüber, ob ein eBook mit diesem ausgestattet ist oder nicht. EBooks, die mit dem Amazon DRM ausgestattet sind, können nur auf Kindle-Modellen, mit der Kindle App, auf dem iPhone, iPad oder auf einem Android-Gerät gelesen werden. Wenn der Käufer mehrere dieser Geräte besitzt, kann er auf allen Geräten zur gleichen Zeit das Buch lesen. In einer Familie reicht es aus, wenn eine Person (z.B die Mutter) ein Buch kauft. Die anderen Familienmitglieder können dieses Buch auf ihren Kindle oder Smartphones lesen, sofern sie mit dem Account des Käufers (Mutter) verbunden sind.
Für mich waren diese Zusammenhänge auch ausschlaggebend für meine Entscheidung, den Kindle Paperwhite 3G zu kaufen. Ich bestell meine Print-Bücher schon seit einer halben Ewigkeit bei Amazon, denn der Internetanbieter hat einfach die größte Auswahl und einen super Kundenservice. Meine eBooks möchte ich genauso bei Amazon kaufen, daher war die Entscheidung für ein Kindle-Modell ganz klar. Natürlich war die große Amazon-Auswahl nur ein Grund für meine Kaufentscheidung – mehr dazu im eBook Reader Test zum Kindle Paperwhite 3G.

Die Zukunft des DRM-geschützten eBooks

Person mit einem Eliminate DRM SchutzanzugVor einigen Jahren erkannte die Musikindustrie, dass sich DRM-geschützte Musik nicht mehr verkauft. Viele Plattenfirmen konnten nicht überleben, die großen wie EMI oder Warner mussten letztendlich mit enormen Umsatz-Einbußen leben und überleben. Sie verzichten heute gänzlich auf den Kopierschutz und nutzen faire Möglichkeiten des Internethandels (z. B. iTunes, Spotify etc.).

Da man ja bekanntlich aus der Vergangenheit schlau wird, gibt es bereits heute, obwohl der eBook-Handel noch in den Kinderschuhen steckt, Tendenzen, den DRM-Schutz bei eBooks abzuschaffen und so getreu dem Motto “Der Kunde ist König” dem Verbraucherverhalten entgegenzukommen. Zudem wird der illegale Handel so erst gar nicht angekurbelt. Ob weitere Verlage dem Versuch des New Yorker Verlags Tor folgen werden, wird die Zeit zeigen. Es ist aber stark anzunehmen, dass sich auf Dauer nur Verlage oder Autoren durchsetzen können, die DRM-freie Bücher verkaufen.

Vorteile DRM-freier eBooks in Kürze

  • Sie können problemlos verliehen und weiterverkauft werden. Natürlich gilt weiterhin das Urheberrrecht und die eBooks dürfen nicht zum Verkauf vervielfältigt werden.
  • Sie können auf beliebigen Geräten und Betriebssystemen gelesen werden.
  • Textteile dürfen für den eigenen Gebrauch kopiert und ausgedruckt werden.
  • Kopierschutz ist technisch sehr aufwändig und somit teuer. DRM-freie eBooks sind daher wesentlich günstiger.
  • Ehrliche Käufer werden nicht als potentielle Betrüger abgestempelt.

Fazit

Anbieter und Kunden habe Interessen, die vertreten werden müssen. Auf Dauer ist daher der Verkauf von DRM-freien eBooks unausweichlich. Solange die Angebote fair sind, werden sie von potentiellen Käufern auch genutzt werden.
Bei einem DRM-System hat man als Kunde nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Meines Erachtens bietet Amazon gegenwärtig das DRM-System mit den wenigsten Schmerzen auf Kundenseite an. Obwohl ich Gegner eines DRM-Schutzes bin, so ist es durch dieses System trotzdem möglich, aufgrund des großen Amazon-Angebots fast alle eBooks auf den besten auf dem Markt erhältlichen eBook Readern, den Kindle-Modellen, und mit den Kindle Apps zu lesen. Wer wissen möchte, wie ich zu dieser Qualitäts-Behauptung komme, dem empfehle ich z. B. meinen eBook Reader Test zum Kindle Paperwhite 3G.